LandEscape (LE)

 

opening 14. Juli 2012 20 Uhr

Künstler: Marvin Altmann, Lars Bergmann, Ludomir Franczak, Christian Schmit, Roman Schultze, Danny Wagner und Landvermessen - ein Performance Art Laboratorium Videoprojekt (entwickelt von Gisela Hochuli, Boris Nieslony und Barbara Sturm)

Den Begriff „Heimat“ mit Hilfe der Kunst zu untersuchen, oder ihm zumindest näher zu kommen, ist für Museen und Kunstvereine längst keine no go area mehr. Was macht es dennoch immer wieder spannend, sich diesem Terrain künstlerisch zu nähern?

Zum einen impliziert HEIMAT auch HEIMATLOSIGKEIT. Und in diesem Kontext knüpfen wir an ein umfängliches Ausstellungsprojekt von 2011 an. Unter dem Titel „EURE ARMUT KOTZT MICH AN! Der Obdachlose als ´role model´ in der zeitgenössischen Kunst.“ untersuchten wir die sichtbarste und gleichsam unterste Stufe von Armut, den Bettler und Obdachlosen, mit Hilfe künstlerischer Positionen. Einige der damals partizipierenden Künstler konnten wir für das Projekt „LandEscape (LE)“ erneut gewinnen.
http://www.galeriekub.de/

Eine wesentliche Komponente ist der Künstler selbst, der als Prototyp eines „mobilis habitat“ bezeichnet werden kann. Nicht, dass der Künstler nicht schon immer per se als ein Weltenbummler wahrgenommen wird (man denke an die drei Jahre währende „Grande Tour“, auf die sich ein Künstler, der etwas auf sich hielt, zu begeben hatte), doch haben sich in Bezug auf Qualität und Quantität des Reisens doch wesentliche Faktoren gewandelt. In Zeiten von Reisestipendien, Art-in-Residency – Programmen, Kunstvereinen, mit ihrem Anspruch auf Internationalität, Stipendien und Programmen für Auslandssemester und Stiftungen, deren Förderanspruch auf internationale Kunstprojekte liegt, kommen nicht nur MEHR KünstlerInnen in den Genuss diverser Aufenthalte außerhalb des originären Schaffensumfeldes, es besteht auch eine unterschwellige Pflicht zu reisen und ein Zwang auf Umsetzung mehrerer Wirkungsstätten. Im optimalen Falle sind das die Hauptstadt, die Heimatstadt und ein hipper Ort – sagen wir in China, oder Bangladesch. Und gibt eine (Künstler)Biographie nicht diverse, hoffentlich längere Aufenthalte im Ausland her (optimal im nicht-englischsprachigen Raum) und arbeitet der Künstler auch noch dort, wo er geboren ist … dann stimmt was nicht!

Hinzu kommt die virtuelle Welt, in der man zu Hause ist und sein muss. In den originären Ländern des WWW gilt pauschal jeder als suspekt, der nicht in eben diesen Sphären zu finden ist. Suspekt ist auch, wenn nicht jeder Künstler Teil verschiedener social networks ist und diese auch regelmäßig bedient, sondern keine eigene Webseite hat, professionell in der Erscheinung und immer aktualisiert. Reisen, auch im cyperspace, macht Arbeit! Doch ist weder das Reisen unser Thema, noch die Arbeit, sondern Heimat, auch wenn all diese Aspekte unmittelbar ineinander greifen und im Zusammenhang bedacht werden müssen.[1]

Doch wie viel reisen verträgt ein Mensch, wie viel Heimat muss sein – oder umgekehrt?

In diesem Sinne ist auch der Ausstellungstitel LandEscape (LE) zu verstehen, zwischen „Land“, dem heimischen, wohl vertrauten und „Escape“, dem entfliehen, flüchten von und zurückkehren zu eben diesen…ja, zu was genau – vielleicht einem Gefühl, der gefühlten Heimat. Heimat, die häufig erst an Kontur gewinnt, wenn man sie verlässt – noch deutlicher, noch unmittelbar, noch brutaler, wenn man sie verlassen muss! Ein beinah schizophrener Zustand, ein unglaublich spannendes Phänomen, eine Ausstellung, die spielerisch Variationen anbietet, sich aber vor endgültigen Antworten scheut (ja scheut! – im Sinne von widerstreben, bangen, ect.).  Eine Ausstellung, die durchaus fatalistische Heimatbefindlichkeiten anspricht, verlorene Heimaten, wie die ehemalige DDR und Orte, die niemals Heimat werden können, doch aufgrund geostrategischer Prozesse zu weitreichenden Konflikten zwischen Ländern führen.



[1] Eine Studie von Luc Boltanski und Ève Chiapello zum neuen Geist desKapitalismus (1999) – zeigt beispielhaft auf, wie die Praxis der Kunst in der gegenwärtigen kapitalistischen Arbeitsweise Modellcharakter hat. Stichwort: Flexibler Kapitalismus.


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